Montag, 3. März 2014

Elder Scrolls Online BETA Wochenende

Nachdem ich ja eigentlich schon alles Interesse an Elder Scrolls Online verloren hatte habe ich letztes Wochenende doch noch die Chance genutzt einige Stunden in der Beta des Spiels zu verbringen. Einerseits weil der Crafting Trailer doch noch einmal mein Interesse wecken konnte und andererseits weil ich mir später nicht sagen lassen will, dass ich über ein Spiel meckere welches ich nie selbst ausprobiert habe. 

Wie einige meiner Tweets nahelegen bin ich ja mit einer sehr gespaltenen Haltung in die Beta gegangen. Eventuell könnte man mir sogar unterstellen, dass ich ziemlich skeptisch war. Und, um den Schluss schon einmal vorweg zu nehmen, daran hat sich nicht all zu viel geändert. Als MMO macht das Spiel einiges besser oder zumindest erfrischend anders als die alteingesessene Konkurrenz. Als Elder Scrolls Rollenspiel bleibt es aber weit hinter den vorangegangenen Einzelspielertiteln zurück.

Genau bei letzterem Punkt liegt für mich die Quelle vieler Probleme die das Spiel in meinen Augen hat. Aber selbst wenn man diesen Punkt vollkommen außer acht lässt, etwas das ich nicht kann, ist nicht alles eitel Wonnen und Sonnenschein. Obwohl das Spiel versucht sich einige Schritte vom Einheits MMO Brei zu entfernen waren die Entwickler bei weitem nicht so mutig wie die Konkurrenz von so manchem Nischenprodukt aus Fernost. Dazu kommen einige lästige Bugs. 
  • Quests bei denen man immer und immer wieder reloggen muss, bis man endlich einen Gegner bschwören und besiegen kann.
  • Ein Interface, dass immer wieder neu geladen werden muss nachdem es beim Händlerbesuch oder bei der Verwendung einer Crafting Station abgestürzt ist.
  •  Das Phasing. Das ist kein Feature. Das ist samt und sonders ein Bug.
Um nur die zu nennen, die mich am meisten gestört haben. Aber zumindest besteht hier Hoffnung, dass  solche Fehler in der finalen Vertriebsversion behoben sein werden. Die meisten Anderen meiner Kritikpunkte sind wohl untrennbar mit meiner, durch die Elder Scrolls Vorgängertitel geweckten, Erwartungshaltung verbunden.
  • Die Welt ist groß, was an sich nicht schlimm wäre. Aber! Aber im vergleich zu Skyrim et.al. ist sie auch leer. Bei Skyrim konnte man alle paar Schritte ein Blümchen pflücken, sich durch dichtes Gebüsch schleichen oder eine besondere Örtlichkeit entdecken. Natürlich gibt es das auch in TESO. Aber, bei TESO ist dazwischen viel .... NICHTS. Besonders fällt das auch in den Siedlungen auf, wo sich weite leere Plätze zwischen übergroßen Häusern erstrecken.
  • Die Welt ist statisch. Es gibt zwar Tag und Nacht Zyklen, aber auf die Spielwelt haben diese keinen Einfluss. MMO typisch stehen die Händler vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche hinterm Tresen und bieten ihre Waren feil. Die Handwerker stehen ähnlich rund um die Uhr an der Werkbank. Ein Höhepunkt ist es schon, wenn der Schmied mal von der Esse zum Amboss geht. So gar nichts hat dies mit den Vorgängern der Elder Scrolls Reihe zu tun, die zumindest einigermaßen den Anschein erwecken konnten, dass NPCs ein Leben haben.
  • Eine Geschichte wie auf Schienen. Zumindest in den von mir bespielten Anfängergebieten hatte ich andauernd das Gefühl, dass mich das Spiel an der Hand nimmt und mir seine Geschichte aufzwingt. Um so schlimmer wurde dies, da einem immer ganz deutlich war das man hier MMO typisch nichts einzigartiges erlebt. Trotz verkorkstem Phasing. "Hui, da habe ich jetzt die Bewohner des Dorfes vor der Invasion gerettet. Bekomme XP, Gold und ein nettes Item dafür ... so wie jeder andere auch." "So, so ich bin also irgend so ein Auserwählter. Der Prophet hält mich für etwas ganz besonderes. So wie jeden anderen auch ..."
  • Das Schnellreisesystem von dem ich eigentlich nicht viel gemerkt habe. Da boten die Elder Scrolls Vorgänger ja alles vom Schlickschreiter über Schiffe bis zu Kutschen und dem Warp per pedes. Aber an eines kann ich mich nicht erinnern. Magische Warp Schreine. Für mich ein ganz klarer und ziemlich unnötiger Stilbruch. Warum nicht schlicht und einfach das System aus Skyrim übernehmen? Schnell reisen an jeden Ort den man schon besucht hat? Wäre das so schlimm gewesen?
  • Wiederbelebung mit Seelensteinen? Erklär mir das doch bitte einer. Für mich macht das schlicht keinen Sinn. Noch so ein unnötiger Stilbruch. Als Spieler der auch im Einzelspieler Spiel gerne und oft speichert, und ab und an auch neu lädt nachdem er gestorben ist. liegt es mir fern hier eine Permadeath Mechanik zu verlangen (obwohl diese vielleicht einen gewissen Reiz hätte) aber irgend eine Lösung die besser zum Hintergrund passt hätte es doch geben müssen.
  • Verzauberungen ohne Seelensteine. Seelensteine können nach wie vor verwendet werden um magische Waffen auf zu laden, aber zum Verzaubern an sich braucht man sie nicht mehr. Dafür gibt es jetzt extra Runen. Tja ja. NEIN! Noch so ein völlig unnötiger Stilbruch. Nochdazu im ansonsten ziemlich gelungenen Crafting System.
  • Charakterklassen. Von Anfang an ein Punkt den ich nur kritisieren konnte. und damit werde ich auch jetzt nicht aufhören. Ist es unbedingt nötig im ansonsten so flexiblen System den Spieler zu einer frühen Festlegung auf drei Klassenspezifische Talentbäume zu zwingen? Hätte man nicht einfach eine Variante des flexiblere Systems aus den Einzelspieler Vorgängern übernehmen können?
  • Ein Inventar das in Plätzen gemessen wird. Gewicht ist ja auch total überbewertet. Noch so ein unnötiger Kniefall vor dem MMO Einheitsbrei der mit Elder Scrolls Konventionen die ich lieben gelernt habe bricht. Der Modebewusste Krieger sollte ja auch unbedingt in der Lage sein fünzig oder mehr Plattenpanzer im Gepäck zu haben, damit er ja nie zwei Tage in folge im selben Outfit erwischt wird.
  • Fehlende Unterstützung von MODs jenseits von User Interface Anpassungen die ich in MMOs abgrundtief verabscheue. Zugegeben, MODs in dem Sinne wie bei Skyrim et.al. wären in einem MMO auch schwierig um zusetzten, aber TESO bietet ja nicht einmal die Funktionalität der Foundry aus Neverwinter. Das ist einfach nur armselig.
Und hier höre ich lieber auf, auch wenn mir noch ein paar Sachen einfallen würden. Ich merke schon wie mein Blutdruck steigt. Jetzt noch weiter zu schwafeln wäre womöglich ungesund. Zum Abschluss noch einmal mein Fazit. 

Als MMO gemessen an MMO Standards ist TESO nicht schlecht, aber auch nicht wirklich herausragend. Eine wirkliche MMO Perle ist das Spiel nicht. Dafür hat man zu viele Kompromisse und Kniefälle gemacht, wo mutigere Entwickler etwas wirklich Neues hätten schaffen können.

Als Titel der Elder Scrolls Reihe ist das Spiel für mich eine herbe Enttäuschung. Mit den Einzelspieler Vorgängern kann weder die fade, leere Welt noch die lauwarme Grafik mithalten. Besonders mit Bezug auf den letzten Punkt ist TESO für mich ganz eindeutig nicht den hohen Preis eines AAA Titels wert.