Freitag, 24. Oktober 2014

Buchpreisbindung

Aus aktuellem Anlass sehe ich mich genötigt, ein paar meiner Gedanken, um nicht zu sagen meinen Frust, zur Buchpreisbindung in die Welt hinauszuschrei(b)en. Große Teile des Österreichischen Nationalrats hielten es kürzlich scheinbar für eine glänzende Idee, besagte Buchpreisbindung auch auf eBooks auszudehnen. Ein Schelm könnte geneigt sein, den Einfluss von Lobbyisten und womöglich sogar die Weitergabe von Geldkoffern zu unterstellen. Da man aber nicht durch Böswilligkeit erklären soll, was sich auch durch schlichte Unfähigkeit begründen lässt, will ich mir heute keine Narrenkappe aufsetzen.

Unter anderem wird dieses, auch bei gedruckten Büchern schon ziemlich marktfeindliche, Gesetz damit gerechtfertigt, dass Kulturelle Vielfalt erhalten werden soll. Tatsächlich scheint es sich aber eher um eine indirekt Subvention großer, etablierter Händler zu handeln. Tatsächlich ist es wohl eher so, dass kaum ein heimischer Autor die Chance hat von einem heimischen, oder anderen, Verlag publiziert zu werden, wenn er nicht selbst große Summen für die Publikation vorschießt oder der Verlag Bestsellerpotential wittert. Gesetzlich verankerte Mindestpreise hatten für große Händler dann noch den Vorteil, dass ein guter Teil des Wettbewerbs durch staatliche Verordnung ausgeschaltet war.

Nun wird der Anwendungsbereich des Bundesgesetzes über die Preisbindung bei Büchern auch auf elektronische Formate ausgedehnt. Bisher hatte ein Autor, der keine Chance hat bei einem Verlag unterzukommen, noch immer die Möglichkeit seine Publikationen im elektronischen Selbstverlag auf den Markt zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, fehlt doch einerseits die Fachliche Unterstützung eines großen und erfahrenen Verlagshauses und warten andererseits doch schon die Geier (große elektronische Handelsplattformen werden hier gerne genannt) um mit Knebelverträgen möglichst viel Kapital aus dem Entrepreneur zu schlagen.

Preisliche Flexibilität war bisher einer der wenigen Vorteile die der Selbstverlag von eBooks in diversen Formaten bot. Nun gibt der Staat etablierten (Groß)Händlern Mittel in die Hand die unliebsame Konkurrenz in die Knie zu zwingen. In Zukunft muss nun auch der Selbstverlegende Autor Mindestpreise für seine elektronischen Publikationen festlegen. Nicht nur das, er muss sie auch kundtun. Es wird ihm also auch noch etwas zusätzliche Bürokratie aufgebürdet. Eine elektronische Publikation zu erstellen und zu vermarkten war bis jetzt ja auch viel zu einfach. 

Natürlich macht es ein solcher Mindestpreis auch schwer sich neuer Innovativer Vertriebsmodelle zu bedienen. Ein Pay-What-You-Want Modell umzusetzen wird damit, gerade für finanzschwache Selbstverleger, die sich keinen großen (oder kleinen) Rechtsstreit leisten können, zum nahezu unmöglichen Abenteuer, bei dem man ständig den Atem der Anwälte der Preisbindungskanzlei im Nacken spürt. Einen entsprechender Präzedenzfall gab es etwa schon in Deutschland.

Welche Auswege bleiben also? Kann man etwa einen Mindestverkaufspreis von 0 € angeben und dann doch für, einen vom Kunden bestimmten, höheren Betrag verkaufen? Oder würde man dann schon wieder wegen unlauteren Wettbewerbs vor Gericht gezerrt? Das ist eine Frage mit der man sich vielleicht an die Wirtschaftskammer wenden sollte. Die andere Alternative? Einfach nicht mehr in deutscher Sprache publizieren. Das österreichische Buchpreisbindungsgesetz gilt schließlich nur für deutschsprachige Publikationen. Das englischsprachige Publikum ist in der Regel ohnehin größer. Sehr gut. Das Gesetz scheint seine Aufgabe die Vielfalt der deutschsprachigen Literatur zu schützen vorbildlich zu erfüllen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen