Freitag, 22. Mai 2015

Das Schwarze Auge und die Splitterdämmerung ...

Über DSA Abenteuer kann man ja vortrefflich streiten. Dies trifft auf die großen Metaplotrelevanten Kampagnenbände der Splitterdämmerung um so mehr zu. Schon alleine das Wort Metaplot lässt ja den einen oder anderen Rot sehen. Meistens sehe ich das ja etwas gelassener, aber in letzter Zeit hat es die Redaktion geschafft meine innere Ruhe zutiefst zu erschüttern.

Mit den frühen Bänden der Splitterdämmerung konnte ich noch etwas anfangen. Schleiertanz und Schleierfall, die ja auch nicht jedem zusagen, schienen mir wunderbar passend für eine sozial orientierte Gruppe von Helden, und selbst wenn man nicht alles daraus so verwenden kann, wie es abgedruckt ist, sind die beiden Bände für mich doch noch ein ganz brauchbarer Ideensteibruch. Damit kann und will ich arbeiten.

Nun ist ja gerade erst der letzte Band der Splitterdämmerung erschienen und nachdem mich der vorletzte Band 'Die Verlorenen Lande' schon tief skeptisch gestimmt hatte, hat mich nun die erste Beurteilung von 'Der Schattenmarschall' endgültig erschüttert. Wirklich. Ich kann nur mehr den Kopf schütteln.

Noch vor einem Jahr hätte ich gesagt, die Redaktion soll bitte keine neuen Regelböcke wie 'Elementare Gewalten' schießen und sich lieber auf Hintergrundbände und Abenteuer konzentrieren. Nachdem ich mich durch die erste Version der 'Historia Aventurica' gearbeitet hatte, habe ich im Geiste schon die Hintergrundbände von der Liste gestrichen, und nun, nach den letzten beiden Bänden der Splitterdämmerung, ist es so weit, dass ich nicht einmal mehr neue offizielle Abenteuer sehen will.

Die Verlorenen Lande


Erwartungshaltung: Ein Kampagnenband, der den Feldzug Kaiserin Rohajas gegen Haffax thematisiert. Ein Abenteuer, in dem militärisch Orientierte Helden glänzen können.

Resultat/Fazit: Eine Aneinanderreihung von Kommandoaktionen für die Helden, garniert mit etwas Lagerleben. Der eigentliche Feldzug tritt ziemlich in den Hintergrund. Ich bin versucht es eine Themenverfehlung zu nennen. Der Feldzug der Kaiserin wird in diesem Band auf jeden Fall völlig unter Wert verkauft. Ernsthaft. Aus dem Feldzug hätte man problemlos vier oder auch fünf Abenteuerbände schlagen können. So wirkt das ganze gekünstelt und gehetzt. So kann der Band höchstens als lockere Inspiration für Kommando-Unternehmen auf jedem beliebigen Feldzug dienen.

Kritikpunkte (ACHTUNG: RANT!):

1. Organisation: Ich erinnere mich vage an uralte Abenteuerbände, an denen Charakterbeschreibungen und vor allem Kampfwerte dort im Band vorkamen wo sie gebraucht wurden. Einfach und effizient. Irgendwann kam es in Mode zumindest Charakterbeschreibungen am Ende eines Bandes zu sammeln. Auch sehr Übersichtlich. In 'Die Verlorenen Lande' gibt es anfangs ein Kapitel in dem NSCs (und deren Armeen) vorgestellt werden, dann gibt es verteilt über den Band immer wieder NSC Beschreibungen mit Werten, und am Ende gibt es nochmals eine Sammlung von NSCs mit Kampfwerten.

Na dann, fröhliches Blättern! Übersichtlich ist anders.

2. Verweisorgie: Man kann es schon beim lesen des Vorwortes erahnen. Eine Halbseite Kürzel für andere Publikationen. Und tatsächlich, es wird, besonders bei den Charakterbeschreibungen der Verbündeten munter auf andere Quellen verwiesen. Wer diese nicht hat, muss sich wohl selbst etwas einfallen lassen, oder besagte Quellen nachkaufen. Besonders frustrierend, für keine der Verbündeten wurden Werte für Kriegskunde und die Eigenschaften auf welche dieses Talent gewürfelt wird angegeben, was die Scharmützelregeln im Anhang grundsätzlich nutzlos macht.

Danke, aber auch wenn es das Backcover sagt, ist Kenntnis der Wege Bände nicht ausreichend um mit diesem Band glücklich zu werden.

3. Scharmützelregeln: Grundsätzlich gut gemeint, ist auch diese Überarbeitung der Kampfregeln für größere Gruppen bis hin zu großen Schlachten leider nicht wirklich gut gelungen. Besonders frustrierend ist, dass auch hier wieder eine Extrawurst zu Kooperativen Proben wie im WdS vorgestellt eingeführt wurde. Diese Extrawurst klingt zwar erst einmal logisch, ist aber mitunter Schuld daran, dass die Kaiserlichen Heere, nach diesen Regeln keine einzige Schlacht auf dem Feldzug gewinnen würden. Dass für die Kaiserlichen Offiziere kein einziger Kriegskunst Wert angegeben ist, ohne den diese Regeln nicht funktionieren macht die Sache nicht besser.

Gut gemeint und gut gemacht sind leider sehr verschiedene Dinge.

4. Die Handlung: Rohaja zieht zu Felde. Was soll man da schon falsch machen können? Tja, es fängt damit an, wie die Beste den Feldzug anlegt. Sie stellt das schlechtest mögliche Aufgebot für die Aufgabe zusammen und auch ansonsten liegt so einiges im Argen.
  • Im Vergleich zum Feind inkompetente Adelige als Kommandokader, die dann eventuell auch noch von ritterlichen Idealen behindert werden, die der Kaiserin so gut gefallen. 
  • Ergänzt wird das Adelsaufgebot hauptsächlich von Landwehr, also zum guten Teil freien Bauern und Handwerkern, und zum Teil sogar von unfreien Bauern, die im Leben noch nie Kämpfen durften.
  • Die wenigen Garderegimenter, die es noch gibt und die den Heerzug begleiten, sind in der Regel weit von ihrer Sollstärke entfernt.
  • Söldner lässt man weitestgehend außen vor, da man dem professionellen Kriegsvolk mistraut. Daran, dass jeder Söldner den man nicht selbst bezahlt einer ist den der Feind anwerben kann denkt man wohl nicht ...
  • Die Perlenmeer Flotte wird zu einer Zuschauerrolle degradiert, da sie sich bisher auch nie mit Ruhm bekleckert hat.
  • Weitreichende Pläne zur Versorgung des Heerzuges werden nicht gemacht. Man wird sich schließlich schon durch Plünderung im Feindesland gut genug versorgen können. Klar. Dieses Land wurde von seinen Herrschern ja nicht seit mehr als einem Jahrzehnt aufs schlimmste ausgepresst.
Betrachtet man sich das Haffaxsche vorgehen wird es noch schmerzhafter offensichtlich, dass in der Redaktion niemand einem Kriegskunstwert im Bereich von 16 bis 26 auch nur annähernd gerecht wird. Selbst für die niedrigeren Werte der Unterführer reicht es nur bedingt. Ich mute mir zwar selbst auch nicht an, ein Haffax zu sein, aber besser als im Buch beschreiben bekomme ich es eventuell schon hin.
  • Der Stellvertreter von Haffax verstreut also seine Kräfte über das ganze Land, so dass sie nach und nach ausgelöscht werden können? Genial!
  • Die Tatsache, dass sich das kaiserliche Heer in drei Zügen nähert wird also nicht ausgenutzt, obwohl man zumindest das Tobrische Heer und wohl auch das Südheer problemlos auslöschen könnte, bevor sie sich mit dem Hauptheer wieder vereinigen. Und so weiter und so fort. Das ganze Genie beschränkt sich darauf, sich in Festungsanlagen zu verkriechen.
  • Haffax konnte Pericum für seinen großen Plan unmöglich noch zwei oder drei Wochen warten lassen. Eventuell wäre es ja sonst weg gerannt. Und die Truppen im Rücken der gegenrischen Armeen wieder anzulanden um diese in die Zange zu nehmen ging wohl auch nicht. Genial!
Im Ernst, der einzige Grund warum Rohaja diesen Feldzug gewinnt, ist dass ihre genialen Gegner sich dümmer anstellen als man für möglich halten sollte. Und hier gelange ich auch zu dem Punkt, wo ich der Handlung des Bandes nicht einmal mehr annähernd guten Gewissens folgen kann. Eigentlich haben es die Kaiserlichen angesichts soviel hanebücherner Dummheit verdient grausamst vor die Hunde zu gehen.

5. Beliebigkeit: Wie erwähnt beschränkt sich die Rolle der Helden weitgehend auf Kommandoaktionen. Lustigerweise können diese auch delegiert werden. Wenns also die Helden nicht machen, ja dann machts halt irgend ein anderer.

Hui! Da dürfen sich doch alle Helden gleich richtig speziell fühlen!

6. DSA5 Wink mit dem Zaunpfahl: Nichts spricht dagegen, hinten im Band eine Seite Werbung für die neue Regeledition unterzubringen. Im abschnitt zum Aufbau des Bandes will ich aber wirklich nicht lesen, dass das Abenteuer dazu dient Aventurien so zu verändern, dass es zu DSA5 passt. Ich will auch nicht durch die Blume erzählt bekommen, dass Helden bei DSA5 dank ihrer Schicksalspunkte was besonderes sind, und diese SchiPs ein wirklich tolles Ding werden.

Danke, aber nein Danke.

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Schlimmer wird es dann nur mehr in 'Der Schattenmarschall'. Hier verweise ich einmal auf die erste Kritik von Sumaro zum Abenteuerband im Bewertungsthread des DSA Forums. Tut mir leid, aber es scheint als wurde das Thema verfehlt. Nach 'Die Verlorenen Lande' war ich schon skeptisch, aber spätestens jetzt habe ich keine Lust mehr auf das Abenteuer. Rohajas Feldzug und Haffaxs Konter werden in meinem Aventurien wohl gänzlich anders ablaufen.

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